Unternehmenssteuerung

Digitalisierung: Tools erobern die Unternehmen, aber untergraben die Wirtschaftlichkeit

Mehr digitale Tools bedeuten nicht automatisch mehr Wirtschaftlichkeit. Erfahren Sie, wie Unternehmen durch intelligente Digitalisierung ihre Produktivität, Rentabilität und Projektsteuerung nachhaltig verbessern können.

Digitalisierung gilt inzwischen als Schlüssel zu mehr Produktivität, Rentabilität und Liquidität. Doch digitale Tools allein verbessern noch kein Unternehmen. Im Gegenteil: Werden einzelne Prozesse isoliert digitalisiert, können sie die Wirtschaftlichkeit sogar untergraben.

Produktivität, Rentabilität und Liquidität hängen unmittelbar zusammen. Schwierig wird es, wenn diese Zusammenhänge in getrennten Systemen betrachtet werden und die eingesetzten Tools nicht miteinander verbunden sind.

Produktivität entsteht ursächlich aus Gesamtauslastung, Ressourceneinsatz und Einzelleistung.

Rentabilität wird ursächlich durch Gesamtplanung, Kalkulation und Projektsteuerung bestimmt.

Liquidität ist nur eine Folge von Produktivität und Rentabilität.

Genau hier liegt ein grundlegendes Problem vieler heutiger Digitalisierungslösungen. Denn mehr Daten bedeuten nicht automatisch mehr Steuerung.

Besonders kritisch wird es, wenn digitale Lösungen vor allem auf Arbeitszeiterfassung, die direkte Zuordnung von Leistungen durch Mitarbeiter zu Leistungspositionen und eine Beschleunigung der Rechnungsstellung ausgerichtet sind.

Derartige Tools werden scheinbar im Wochentakt entwickelt. Häufig verfolgen sie dabei ein ähnliches Prinzip: Je mehr Informationen unmittelbar von Mitarbeitern auf der Baustelle erfasst werden, desto besser soll die Unternehmenssteuerung werden. Doch genau hier liegt ein grundlegender Irrtum.

Mehr erfasste Daten sind noch keine bessere Information. Und bessere Information ist noch keine Erkenntnis.

Mitarbeiter kennen in der Regel nicht alle Zusammenhänge, die für eine wirtschaftliche Bewertung erforderlich sind. Wird die Arbeitszeiterfassung primär als Kontrolle wahrgenommen, entsteht zudem schnell der Eindruck von Überwachung statt von Unterstützung. Hinzu kommt: Anwesenheit ist kein Beweis für produktive Leistung.

Auch die direkte Zuordnung von Leistungen zu einzelnen Leistungspositionen durch Mitarbeiter ist problematisch. Denn Mitarbeiter können nicht erkennen, ob eine Abweichung tatsächlich aus Leistung entsteht oder ob beispielsweise eine Ablaufstörung dahintersteht.

Was nicht erkannt wird, wird folglich auch nicht systematisch erfasst. Und was nicht erfasst wird, kann in vielen Fällen weder gesteuert noch gegenüber dem Auftraggeber geltend gemacht werden.

Liquidität kann eine trügerische Sicherheit erzeugen

Auch eine schnellere Rechnungsstellung löst das eigentliche Problem nicht. Mehr Liquidität auf dem Konto kann kurzfristig positiv wirken. Sie sagt jedoch wenig darüber aus, ob eine Ertragsverbesserung vorliegt. Liquidität ist eine wichtige Größe – aber sie ist kein Beweis für Produktivität oder Rentabilität.

Digitalisierung muss Zusammenhänge sichtbar machen

Gut gemachte digitale Lösungen können dagegen zu echten Leistungstreibern werden. Nicht, weil Mitarbeiter damit einfach schneller arbeiten oder die Arbeit weiter verdichtet wird. Der entscheidende Mehrwert entsteht, wenn Digitalisierung Zusammenhänge sichtbar macht.

Mitarbeiter müssen erkennen können:

  • Was war geplant?
  • Was ist tatsächlich passiert?
  • Wo entstehen Abweichungen?
  • Welche Ursachen haben diese Abweichungen?
  • Welche Auswirkungen entstehen daraus?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Und welchen Beitrag leistet die eigene Tätigkeit zum Unternehmensergebnis?

Erst dadurch werden aus Daten entscheidungsrelevante Informationen und aus Informationen Erkenntnisse.

Noch wirkungsvoller wird Digitalisierung, wenn sie nicht bei der Darstellung von Potenzialen stehen bleibt, sondern auch deren Umsetzung unterstützt. Dann wird Software mehr als ein digitales Erfassungssystem. Sie wird zur Brainware des Unternehmens: Sie unterstützt Menschen dabei, Zusammenhänge zu verstehen, bessere Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen.

Das verändert auch die Rolle der Mitarbeiter. Aus der reinen Datenerfassung wird eine Beteiligung an der Unternehmenssteuerung. Das Ziel ist nicht mehr Datenerfassung, sondern Ergebnisverantwortung

Die entscheidende Frage der Digitalisierung lautet deshalb nicht: „Wie viele Daten können wir erfassen?“

Sondern: „Welche Erkenntnisse können wir aus unseren Daten gewinnen – und was können Menschen daraus besser machen?“

Erst wenn Daten Zusammenhänge sichtbar machen, Ursachen erklären und konkrete Handlungsmöglichkeiten eröffnen, entsteht aus Digitalisierung ein wirtschaftlicher Nutzen.

Das Ziel: Daten müssen Erkenntnisse aufzeigen, damit Mitarbeiter Zusammenhänge verstehen und Ergebnisverantwortung übernehmen können.

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